6. Tor ☆ ADVENT – Die Ankunft ☆

Das 6. Tor des Metafiction Adventskalenders.

Eine musikalische Weihnachtsgeschichte über den Anbeginn einer neuen Zeit.

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„Ich erinnerte mich. Gegen allen Widerstand drang die Erinnerung  in mich ein. Durchzog und fesselte mich. Ich versuchte mich loszureißen. Mein Weg war vorbestimmt. Mein Tag war gekommen. Aber sie hatte mich fest im Griff und beschaute mein Straucheln mit vergnügter Gleichgültigkeit.

Sie hatte immer schon diesen Blick. Sie setzte ihn auf wie eine Maske. Sie versuchte unbedingt zu verhindern, dass man sie ansah. Sie durchschaute. Als sie mir damals begegnet war, hatte ich mich sofort verliebt. Ich liebte diese Maske. So reich geschmückt mit Güte und Gelassenheit. Kleine Ornamente der Traurigkeit funkelten unschuldig auf dem Grund edelster Weisheit. Erbärmlich kauerte ich am Boden des Zerwürfnisses. Ich war der Bettler, sie der gefallene Engel, der mir erschien. In meine Not warf sie mir den Groschen der Niedertracht. Nahm mich mit sich. Sie hatte mir Obdach gewährt und mich so in ihre Hölle gelockt.

Plötzlich verstand ich. Die Sintflut der Gerechtigkeit, die sich gerade ereignete, beschwor gleichzeitig das Böse. Überall krochen seine Diener wie Ratten aus ihren Löchern. Sie war meine Mission. Meine Prüfung. Ich musste diese Bürde des Bösen überwinden, um mir meinen Platz am höchsten Thron zu verdienen.

In diesem Moment flog der erste Mensch über die Köpfe der Ahnungslosen hinweg, schlug mit drohendem Donnern auf und zwang meine böse Erinnerung mit sich zu Boden.“